Ein Heunetz löst ein Problem, das viele Ställe haben: Die Tagesration ist rechnerisch korrekt, aber nach vier Stunden aufgefressen. Die restlichen zwanzig Stunden steht das Pferd ohne Futter — und der Magen produziert weiter Säure.
Was ein Netz tatsächlich bewirkt
Die Verlängerung der Fresszeit hängt fast vollständig an der Maschenweite.
| Maschenweite | Fresszeit je kg | Geeignet für |
|---|---|---|
| ohne Netz | ca. 20 Min. | Senioren, Zahnpatienten |
| 6–8 cm | ca. 30 Min. | Einstieg, normalfuttrige Pferde |
| 4,5–5 cm | ca. 45 Min. | leichtfuttrige Pferde |
| 3–4 cm | 60–90 Min. | starkes Übergewicht, EMS |
Ein 600-kg-Pferd mit 10 kg Ration frisst ohne Netz gut drei Stunden, mit einem 4-cm-Netz zehn bis zwölf. Damit sind Fresspausen von über vier Stunden praktisch ausgeschlossen — genau der Wert, ab dem das Magengeschwürrisiko deutlich steigt.
Die drei Sicherheitsregeln
Hoch genug, aber nicht zu hoch. Ein leeres Netz hängt tiefer als ein volles. Es muss auch im leeren Zustand oberhalb der Hufhöhe bleiben, sonst gerät ein Eisen oder ein Huf hinein. Gleichzeitig darf die Fressöffnung nicht über Buggelenkhöhe liegen — sonst rieselt Staub in die Atemwege und die Zahnstellung leidet.
Die praktikable Lösung ist ein Netz in einer bodennahen Box oder Tonne statt eines frei hängenden Netzes.
Keine beschlagenen Pferde an grobe Netze. Maschen über 5 cm und Hufeisen sind eine bekannte Kombination für schwere Verletzungen. Bei beschlagenen Pferden gehört das Netz in einen Behälter oder es wird durch eine Fressgitterraufe ersetzt.
Material prüfen. Billige Netze mit dünnem Polypropylen scheuern durch und hinterlassen Fasern im Heu. Geknotete Netze aus dickem Material halten Jahre, sind aber härter zu den Zähnen. Wer feststellt, dass die Schneidezähne schräg abgeschliffen sind, hat das falsche Netz.
Wann ein Netz schadet
Alte Pferde und Zahnpatienten. Wer nicht mehr kraftvoll zupfen kann, gibt auf. Gewichtsverlust im Winter bei einem Senior am Netz ist ein häufiges und vermeidbares Muster.
Pferde mit Kieferproblemen oder nach Zahn-OP. Hier ist Bodenfütterung die einzig richtige Wahl, bis die Kaufähigkeit zurück ist.
Sehr staubiges Heu. Das Zupfen durch enge Maschen setzt mehr Staub frei als ruhiges Fressen vom Boden. Bei Atemwegspatienten muss das Heu vorher bedampft oder gewässert werden — sonst verschlimmert das Netz das Problem.
Netz, Raufe oder beides
Ein Netz ersetzt keine Raufe, es ergänzt sie. Frei aufgehängte Netze schwingen beim Fressen, was manche Pferde stört und bei anderen zu Zerrungen im Halsbereich führt.
Die haltbarste Lösung im Offenstall ist eine feste Rundballenraufe mit einem Netz darüber: Der Ballen steht sicher, das Netz begrenzt die Fressgeschwindigkeit, und weil es aufliegt statt zu hängen, entfällt das Pendeln. In der Box hat sich eine flache Kiste mit Netzabdeckung bewährt — sie hält die Fressposition tief und den Staub unten.
Umstellung richtig machen
Gehen Sie in Schritten. Von 8 cm auf 4 cm in einem Sprung führt oft zu Frust, Aggression an der Raufe oder zum kompletten Fressstopp. Eine Stufe alle zwei Wochen, und immer mit einer zweiten Fressstelle für rangniedere Pferde.
Kontrollieren Sie in den ersten vier Wochen wöchentlich den Body Condition Score. Ein Netz, das zu viel bremst, erkennt man schneller am Gewicht als am Verhalten.
Welche Menge überhaupt richtig ist, steht unter Wie viel Heu braucht ein Pferd. Passende Gebinde für Netze und Raufen finden Sie unter Heu in Ballen, die Staubbewertung jeder Charge im Halmpass.