Die kurze Antwort: 1,5 bis 2 kg Heu je 100 kg Körpergewicht und Tag. Ein 600-kg-Pferd braucht also 9 bis 12 kg, ein 350-kg-Pony 5 bis 7 kg.
Die längere Antwort ist wichtiger, weil die Untergrenze dieses Korridors regelmäßig unterschritten wird — mit Folgen.
Warum 1,5 kg das Minimum ist, nicht das Ziel
Der Pferdemagen produziert kontinuierlich Säure, unabhängig davon, ob gerade gefressen wird. In freier Wildbahn frisst ein Pferd 14 bis 16 Stunden am Tag; der Speichel, der dabei entsteht, puffert diese Säure ab. Bleibt das Futter aus, wirkt die Säure auf die ungeschützte Magenschleimhaut.
Deshalb ist die Rechnung nicht nur eine Frage der Kalorien. Unterhalb von etwa 1,5 kg je 100 kg Körpergewicht wird die Fresszeit so kurz, dass Magengeschwüre wahrscheinlicher werden — selbst wenn das Pferd rechnerisch genug Energie bekommt.
Bedarf nach Gewicht
| Pferd | Gewicht | Heu pro Tag | Pro Monat |
|---|---|---|---|
| Shetlandpony | 200 kg | 3–4 kg | ca. 105 kg |
| Pony | 350 kg | 5–7 kg | ca. 180 kg |
| Warmblut | 550 kg | 8–11 kg | ca. 285 kg |
| Großpferd | 600 kg | 9–12 kg | ca. 315 kg |
| Kaltblut | 800 kg | 12–16 kg | ca. 420 kg |
Diese Werte gelten für die Erhaltung. Bei regelmäßiger Arbeit, Trächtigkeit, Laktation oder Kälte steigt der Bedarf um 10 bis 25 Prozent.
Der Zielkonflikt bei leichtfuttrigen Pferden
Robustrassen, viele Ponys und Kaltblüter nehmen bei ausreichender Heumenge schnell zu. Die falsche Lösung ist, die Menge zu kürzen — das verlängert die Fresspausen und verschiebt das Problem nur auf den Magen.
Die richtige Lösung besteht aus zwei Teilen:
- Energieärmeres Heu wählen. Ein spät geschnittenes, rohfaserreiches Heu liefert bei gleicher Menge weniger Energie. Genau dafür gibt es die Linie LEICHTMAHD.
- Fresszeit verlängern. Engmaschige Heunetze mit 3 bis 4 cm Maschenweite strecken dieselbe Menge auf die doppelte bis dreifache Fresszeit.
Verteilung über den Tag
Mindestens drei Mahlzeiten, besser vier bis fünf. Die entscheidende Kennzahl ist nicht die Anzahl, sondern die längste Pause: Sie sollte vier Stunden nicht überschreiten. In der Praxis heißt das meistens, die Nacht zu überbrücken — durch eine große Abendration im Netz oder durch eine automatische Raufe.
Reserve einplanen
Rechnen Sie beim Einkauf 10 bis 15 Prozent auf den errechneten Bedarf auf. Gründe: Streuverluste am Netz und in der Box, schwankende Ballengewichte und die Möglichkeit, bei einer Futterumstellung zehn Tage lang zwei Chargen parallel zu füttern.
Wer den Jahresbedarf plant, sollte außerdem berücksichtigen, dass sich Heu über die Lagerzeit nicht verschlechtert, solange es trocken und dunkel liegt — der Nährwert sinkt nur langsam. Ein Vorrat ist deshalb kein Risiko, sondern eine Absicherung gegen ein schlechtes Erntejahr.
Den Bedarf im Winter anpassen
Sinkt die Temperatur unter den thermoneutralen Bereich — beim gesunden Pferd etwa unter minus 5 °C, bei geschorenen oder alten Tieren deutlich früher —, steigt der Erhaltungsbedarf spürbar. Als Richtwert gilt: rund 2 Prozent mehr Energie je Grad unterhalb dieser Schwelle.
Die richtige Antwort darauf ist Raufutter, nicht Kraftfutter. Die Wärme entsteht bei der mikrobiellen Fermentation der Rohfaser im Dickdarm — ein Prozess, der stundenlang nachheizt. Getreide liefert schnelle Energie, aber kaum Fermentationswärme.
Praktisch heißt das: In einer kalten Woche 10 bis 20 Prozent mehr Heu, verteilt auf zusätzliche Portionen, vor allem in der Nacht.
Was Sie tatsächlich wiegen sollten
Fast alle Fehleinschätzungen entstehen beim Schätzen der Portionsgröße. Eine „Portion“ Heu wiegt je nach Ballen und Pressung zwischen 1,5 und 4 kg.
Wiegen Sie einmalig fünf typische Portionen mit einer Kofferwaage und notieren Sie den Mittelwert. Danach genügt Abzählen. Dieser eine Vorgang deckt in der Praxis mehr Unter- und Überversorgung auf als jede Rationsberechnung auf dem Papier.