Die Antwort in einem Satz: 40 bis 60 Prozent der Tagesration gehören in die Nacht. Für ein 600-kg-Pferd mit 10 kg Tagesmenge sind das 4 bis 6 kg.
Der Grund ist nicht der Nährstoffbedarf — der verteilt sich gleichmäßig über 24 Stunden. Der Grund ist die Pause.
Warum die Nacht das Problem ist
Zwischen der letzten Fütterung am Abend und der ersten am Morgen liegen in den meisten Ställen zehn bis vierzehn Stunden. Wenn das Heu nach vier Stunden aufgefressen ist, steht das Pferd sechs bis zehn Stunden ohne Futter.
Der Pferdemagen produziert kontinuierlich Salzsäure, unabhängig davon, ob gefressen wird. Gepuffert wird sie durch Speichel, und Speichel entsteht nur beim Kauen. Bleibt das Futter aus, wirkt die Säure auf die ungeschützte Schleimhaut im oberen Magenabschnitt.
Ab etwa vier Stunden ohne Raufutter steigt das Risiko für Magengeschwüre messbar. Studien an Sportpferden finden Befunde bei über der Hälfte der untersuchten Tiere — die nächtliche Fresspause gilt als einer der Hauptfaktoren.
Die Menge richtig ansetzen
| Pferd | Tagesration | davon nachts |
|---|---|---|
| Pony 350 kg | 5–7 kg | 2,5–3,5 kg |
| Warmblut 550 kg | 8–11 kg | 4–5,5 kg |
| Großpferd 600 kg | 9–12 kg | 4,5–6 kg |
| Kaltblut 800 kg | 12–16 kg | 6–8 kg |
Diese Mengen gelten für die Erhaltung. Im Winter, bei Kälte unter dem thermoneutralen Bereich, steigt der Bedarf um 10 bis 25 Prozent — und Raufutter ist dabei die richtige Quelle, weil die Wärme aus der Dickdarmfermentation kommt und nicht aus Kraftfutter.
Menge allein reicht nicht — es geht um Zeit
Sechs Kilogramm lose in die Box geworfen sind nach drei Stunden weg. Entscheidend ist, die Menge über die Nacht zu strecken.
Engmaschiges Netz. Bei 4 bis 5 cm Maschenweite verdoppelt bis verdreifacht sich die Fresszeit. Sechs Kilogramm reichen damit realistisch acht bis zwölf Stunden. Zu Maschenweiten und Sicherheitsregeln siehe Heunetz.
Zwei getrennte Portionen. Eine Hälfte offen, eine im Netz. Das Pferd frisst zuerst die schnelle Portion und arbeitet dann am Netz weiter.
Mehrere Fressplätze. In der Gruppenhaltung braucht es mindestens eine Fressstelle mehr als Pferde, sonst steht das rangniedrigste Tier nachts trotzdem ohne Futter da.
Späte letzte Fütterung. Eine zusätzliche Gabe um 22 Uhr verkürzt die Pause wirksamer als jede Mengenerhöhung am Abend.
Wie Sie prüfen, ob die Menge reicht
Der einfachste Test ist der Blick am Morgen. Ist um sechs Uhr noch ein Rest da, war die Menge richtig. Ist die Raufe schon um Mitternacht leer, war sie zu klein oder zu schnell zugänglich.
Wer es genauer wissen will, wiegt die Abendportion eine Woche lang ab und notiert, was morgens übrig ist. Diese sieben Zahlen sagen mehr als jede Faustregel, weil sie Fressgeschwindigkeit, Netzwirkung und Rangordnung gleichzeitig abbilden.
Ein kleiner Rest von 200 bis 500 Gramm ist das Ziel — er zeigt, dass die Nacht durchgehend abgedeckt war, ohne dass nennenswert Futter verdirbt.
Wann Sie nicht kürzen dürfen
Bei leichtfuttrigen Pferden ist die Versuchung groß, nachts weniger zu geben. Das ist der klassische Fehler: Die Fresspause verlängert sich, das Magenrisiko steigt, und das Pferd nimmt trotzdem nicht ab, weil der Stoffwechsel auf Sparflamme geht.
Der richtige Weg führt über die Struktur, nicht über die Menge: energieärmeres Heu vom ersten Schnitt, engere Maschen, gegebenenfalls ein Strohanteil von 20 bis 30 Prozent. Zu Schnittwahl und Energiegehalt siehe Erster oder zweiter Schnitt.
Die Gesamtration berechnen Sie unter Wie viel Heu braucht ein Pferd. Strukturreiches Heu für lange Fresszeiten finden Sie unter HANGMAHD 1. Schnitt.