Dieser Artikel erklärt Analysewerte. Er ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei diagnostiziertem EMS, Cushing (PPID) oder einer Hufrehe in der Vorgeschichte gehört die Rationsplanung in tierärztliche Hand — dieser Text soll Ihnen helfen, das Gespräch mit den richtigen Zahlen zu führen.
Warum Heu bei diesen Pferden Therapie ist
Bei Pferden mit gestörtem Zuckerstoffwechsel löst jede Kohlenhydratzufuhr eine Insulinreaktion aus. Bei gesunden Pferden ist das unproblematisch. Bei insulindysregulierten Pferden führt es zu dauerhaft erhöhten Insulinwerten — und erhöhtes Insulin gilt heute als der wichtigste auslösende Faktor für Hufrehe.
Da Heu bei diesen Pferden meist 80 bis 100 Prozent der Ration ausmacht, entscheidet der Zuckergehalt des Heus über die Gesamtbelastung. Kraftfutter wegzulassen genügt nicht, wenn das Heu selbst zuckerreich ist.
Die drei Werte und was sie bedeuten
WSC (wasserlösliche Kohlenhydrate). Der Sammelwert für Einfach-, Zweifach- und Fruktanzucker. Das ist die Zahl, die in den meisten Analysen an erster Stelle steht und die Sie zuerst ansehen.
Fruktan. Eine Untergruppe der WSC — die Speicherform, die Gräser bei kühlen Nächten und sonnigen Tagen anreichern. Fruktan wird im Dünndarm nicht verdaut, sondern gelangt in den Dickdarm und wird dort bakteriell vergoren. Deshalb steht es besonders im Verdacht, Hufrehe auszulösen.
Stärke. In Heu meist gering (unter 2 Prozent), spielt vor allem bei Kraftfutter eine Rolle. In der Praxis wird häufig die Summe aus WSC und Stärke betrachtet.
Orientierungswerte
Eine gesetzliche Definition für „zuckerarmes Heu“ existiert nicht. In der Fütterungspraxis haben sich diese Bereiche etabliert:
| Bereich | WSC | Einschätzung |
|---|---|---|
| Unbedenklich für die meisten Stoffwechselpferde | unter 8 % | deutlich zuckerarm |
| Häufig empfohlener Zielkorridor | unter 10 % | zuckerreduziert |
| Für gesunde Pferde unproblematisch | 10–15 % | normal |
| Für Stoffwechselpferde kritisch | über 15 % | zuckerreich |
Zur Einordnung: Die aktuelle LEICHTMAHD-Charge liegt bei 6,1 % WSC und 1,8 % Fruktan.
Wichtig ist, dass diese Zahlen Orientierung geben und keine Grenzwerte sind. Wie viel Zucker ein einzelnes Pferd verträgt, hängt von Diagnose, Schweregrad, Gewicht, Bewegung und Gesamtration ab.
Was Wässern bringt
Heu 30 bis 60 Minuten in reichlich Wasser einzuweichen senkt den WSC-Gehalt um etwa 20 bis 30 Prozent — der Zucker geht ins Wasser über, das anschließend weggeschüttet wird.
Was dabei zu beachten ist:
- Mit dem Zucker gehen auch Mineralstoffe verloren. Bei dauerhaftem Wässern muss die Mineralversorgung angepasst werden.
- Gewässertes Heu verdirbt schnell. Innerhalb weniger Stunden verfüttern, im Sommer schneller.
- Die Ausgangswerte bleiben entscheidend. 30 Prozent von einem hohen Wert ist immer noch ein hoher Wert.
Wenn das Heu bereits bei 6 Prozent liegt, ist Wässern oft nicht nötig. Diese Entscheidung trifft die Tierärztin.
Was eine Analyse leisten kann — und was nicht
Sie kann: den tatsächlichen Zuckergehalt der Charge benennen, die Sie füttern. Sie macht die Ration planbar und gibt der Tierärztin eine Grundlage.
Sie kann nicht: garantieren, dass ein Pferd keine Hufrehe bekommt. Hufrehe hat mehrere Auslöser, und der Zuckergehalt des Heus ist nur einer davon — wenn auch ein gut beeinflussbarer.
Sie kann außerdem nicht: auf andere Chargen übertragen werden. Jede Ernte ist anders. Eine Analyse gilt für genau die Charge, aus der die Probe stammt — das ist der Grund, warum bei HEUGUT jede Charge einzeln untersucht wird und ihre eigene Nummer trägt.
Praktische Konsequenzen für den Einkauf
- Kaufen Sie nur mit Analyse. Ohne Zahlen ist „zuckerarm“ eine Behauptung.
- Achten Sie auf die Chargennummer. Sie ist der Beleg dafür, dass die Analyse zu Ihrer Lieferung gehört und nicht zu einer beliebigen anderen.
- Kaufen Sie größere Mengen derselben Charge. Jeder Chargenwechsel bedeutet neue Werte und eine neue Futterumstellung — bei diesen Pferden ein vermeidbares Risiko.
- Bewahren Sie den Halmpass auf. Bei der nächsten Kontrolle hat die Tierärztin damit die Datengrundlage für die Anpassung der Ration.