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Wissen

Herbstzeitlose im Heu erkennen

Colchicin bleibt im Heu vollständig erhalten. Rund 1,2 kg frische Pflanze können ein Pferd töten. So erkennen Sie sie im getrockneten Ballen.

Veröffentlicht am 18.08.2026

Mehrere violette Blüten der Herbstzeitlosen mit gelben Staubgefäßen zwischen dichtem grünem Laub.

Die Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) ist die gefährlichste Giftpflanze im deutschen Wiesenheu. Ihr Wirkstoff Colchicin wird beim Trocknen nicht abgebaut — ein Ballen aus einem befallenen Bestand bleibt jahrelang giftig.

Wie gefährlich sie ist

Für ein Pferd von 500 kg gelten etwa 1,2 bis 2 kg frische Pflanzenmasse als tödliche Dosis. Getrocknet entspricht das rund 200 bis 400 Gramm Pflanzenteilen — eine Menge, die in einem einzigen Ballen unbemerkt enthalten sein kann.

Colchicin hemmt die Zellteilung. Die Symptome treten oft erst nach Stunden auf, wenn die Aufnahme längst zurückliegt: Speicheln, Kolik, blutiger Durchfall, Schwäche, später Nieren- und Kreislaufversagen. Ein Gegenmittel gibt es nicht; behandelt werden kann nur symptomatisch.

Woran Sie sie im Heu erkennen

Im Heu fehlt die auffällige violette Herbstblüte — die erscheint erst im September, lange nach der Mahd. Was im Ballen liegt, sind Blätter und Samenkapseln aus dem Frühjahr.

Die Blätter sind auffällig breit, glatt, glänzend und parallelnervig, ohne Mittelrippe wie bei Gräsern. Sie erinnern an Maiglöckchen oder junge Lauchblätter und heben sich durch ihre Breite deutlich von jedem Grashalm ab. Getrocknet werden sie papierartig und behalten einen leichten Glanz.

Die Samenkapseln sind das sicherere Erkennungsmerkmal: dreikammerig, eiförmig, etwa 3 bis 5 cm lang, mit vielen kleinen braunschwarzen, harten Samen. Sie überstehen das Pressen meist unbeschädigt.

Der Samen enthält die höchste Colchicinkonzentration der ganzen Pflanze.

Wo das Risiko am größten ist

Die Herbstzeitlose bevorzugt feuchte, extensiv genutzte Wiesen in Mittelgebirgslagen und Flussauen. Sie breitet sich dort aus, wo spät und selten gemäht wird — also ausgerechnet auf den extensiven Flächen, die sonst gutes, kräuterreiches Pferdeheu liefern.

Der erste Schnitt ist stärker betroffen als der zweite, weil die Blätter im Frühjahr stehen und bis Juni einziehen. Grummet aus derselben Fläche kann bereits frei davon sein.

Was Sie beim Kauf tun können

Pferde meiden die Pflanze auf der Weide, weil sie bitter schmeckt. Im Heu funktioniert diese Selektion nicht mehr — getrocknet und zwischen Gras gepresst wird sie mitgefressen.

Praktisch heißt das: Sie können nicht jeden Ballen durchsuchen. Was Sie tun können, ist die Herkunft zu kennen. Fragen Sie, von welcher Fläche das Heu stammt und ob dort Herbstzeitlose bekannt ist. Ein Betrieb, der seine Schläge kennt, kann diese Frage beantworten.

Bei uns steht zu jeder Charge der Schlag, von dem sie stammt, im Halmpass — samt Erntedatum und Schnitt. Unsere Hangflächen werden vor der Mahd begangen; Bestände mit Herbstzeitlosenbesatz werden nicht als Pferdeheu vermarktet.

Was Sie tun, wenn Sie Verdacht haben

Sofort die Fütterung aus dem betroffenen Ballen einstellen — und zwar für alle Tiere, nicht nur für das auffällige. Den Ballen nicht entsorgen: Er ist das Beweismittel und die Grundlage für die tierärztliche Einschätzung.

Rufen Sie den Tierarzt auch dann, wenn das Pferd noch unauffällig wirkt. Colchicinvergiftungen zeigen eine Latenz von mehreren Stunden; wer wartet, bis Symptome sichtbar sind, verliert die Zeit, in der eine Magenentleerung und Aktivkohle noch etwas bewirken.

Notieren Sie, welche Charge betroffen ist und seit wann daraus gefüttert wurde. Diese beiden Angaben entscheiden über die Prognose.

Wer haftet

Verkauft ein Betrieb Heu als Pferdefutter, muss es futtermitteltauglich sein — das ergibt sich aus dem Futtermittelrecht und aus der Produkthaftung. Giftpflanzen in verkauftem Futterheu sind ein Sachmangel.

In der Praxis ist der Nachweis schwierig, sobald der Ballen verfüttert ist. Bewahren Sie deshalb bei jeder Lieferung eine Rückstellprobe von etwa zwei Handvoll auf, beschriftet mit Datum und Charge. Das kostet nichts und ist im Schadensfall das einzige Beweismittel.

Weitere Risiken im Ballen behandelt Jakobskreuzkraut im Heu.

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