Die Antwort hängt an drei Faktoren: Lage, Wasserversorgung und Düngung. Extensive Hangwiesen tragen zwei Schnitte im Jahr, intensiv geführtes Talgrünland bis zu vier.
Was die einzelnen Schnitte liefern
| Schnitt | Zeitpunkt | Anteil am Jahresertrag | Charakter |
|---|---|---|---|
| 1. Schnitt | Ende Mai bis Juni | 45–55 % | halmreich, strukturstark |
| 2. Schnitt (Grummet) | August | 25–35 % | blattreich, energiereicher |
| 3. Schnitt | September/Oktober | 10–20 % | sehr fein, oft feucht geerntet |
| 4. Schnitt | Oktober | unter 10 % | selten als Heu verwertbar |
Der erste Schnitt trägt den Ertrag. Er wächst über das ganze Frühjahr, nutzt die Winterfeuchtigkeit und schiebt Halme bis zur Blüte. Alles danach ist Nachwuchs aus den Reserven der Pflanze.
Warum der dritte Schnitt selten Heu wird
Rechnerisch ließe sich vielerorts ein dritter Schnitt holen. Praktisch scheitert er meist am Wetter: Im Oktober sind die Tage kurz, die Sonne steht flach, und der Tau trocknet oft erst mittags ab. Die für Heu nötigen drei bis vier Trockentage kommen kaum noch zusammen.
Was geerntet wird, geht deshalb überwiegend in Silage oder Heulage — Konservierungsverfahren, die mit höherer Restfeuchte arbeiten. Als Heu ist der dritte Schnitt ein Risiko, weil zu feucht gepresstes Material im Lager schimmelt.
Was zu häufiges Mähen anrichtet
Jeder Schnitt zieht Reserven aus Wurzeln und Stoppeln. Die Pflanze muss neu austreiben, bevor sie wieder einlagern kann. Wird zu oft und zu tief geschnitten, kippt diese Bilanz.
Die Folgen zeigen sich über Jahre: Die wertvollen Obergräser gehen zurück, lückige Stellen entstehen, und in diese Lücken wandert genau das ein, was niemand im Pferdeheu haben will — Ampfer, Jakobskreuzkraut, Brennnessel. Zur Giftpflanzenfrage siehe Jakobskreuzkraut im Heu.
Eine dichte Narbe ist deshalb der beste Pflanzenschutz, den eine Wiese haben kann — und sie entsteht durch maßvolle Nutzung, nicht durch Herbizide.
Warum Hanglagen weniger Schnitte tragen
Auf Hangwiesen kommt mehreres zusammen: flachgründigere Böden, schnellerer Wasserabfluss, weniger Düngung und ein kürzeres Vegetationsfenster. Der zweite Aufwuchs fällt entsprechend geringer aus, ein dritter lohnt fast nie.
Genau das ist aber der Grund für die Futterqualität. Weniger Schnitte bedeuten mehr Zeit je Aufwuchs, mehr Artenvielfalt und einen höheren Kräuteranteil. Extensive Bewirtschaftung ist hier kein Verzicht, sondern das Verfahren, das dieses Heu erst hervorbringt.
Die Rolle der Düngung
Vier Schnitte sind ohne Nachdüngung nicht möglich. Jeder Schnitt entzieht der Fläche Stickstoff, Phosphor, Kalium und Spurenelemente, die als Pflanzenmasse abgefahren werden. Wer diesen Entzug nicht ersetzt, erntet im dritten Jahr deutlich weniger.
Für Pferdeheu ist das ein zweischneidiges Thema. Hohe Stickstoffgaben treiben schnellwüchsige Gräser und drängen Kräuter zurück — der Ertrag steigt, die botanische Vielfalt sinkt, und der Bestand wird eintöniger.
Extensive Flächen mit maßvoller organischer Düngung liefern weniger Masse, aber das artenreichere Futter. Für Pferde ist das in aller Regel der bessere Handel.
Was das für den Käufer heißt
Die Schnittnummer allein sagt nichts über die Qualität. Ein sorgfältig geernteter erster Schnitt aus einer artenreichen Hanglage ist besser als ein hastig gepresster zweiter Schnitt von intensivem Grünland.
Was wirklich zählt, sind Erntezeitpunkt im Vegetationsstadium, Trocknungsverlauf und die gemessenen Inhaltsstoffe. Deshalb steht bei jeder unserer Chargen der Schnitt zusammen mit Erntedatum, Schlag und Laborwerten im Halmpass — die Nummer allein wäre eine halbe Information.
Zum Unterschied der Schnitte siehe Erster oder zweiter Schnitt und Grummet; zum Ernteablauf Heuernte.