Wenden und Schwaden sind die beiden Arbeitsgänge zwischen Mahd und Presse. Beide beschleunigen die Trocknung — und beide kosten genau die Fraktion, auf die es ankommt.
Warum jeder Arbeitsgang Substanz kostet
Die Nährstoffe im Heu sitzen überwiegend im Blatt, nicht im Halm. Blätter enthalten das meiste Protein, die meisten Mineralstoffe und fast das gesamte Carotin. Sie trocknen aber schneller als Stängel und werden dabei spröde.
Jeder mechanische Eingriff auf trockenes Material bricht Blattmasse ab. Diese Bröckelverluste liegen bei Gräsern je Arbeitsgang bei 2 bis 5 Prozent, bei Klee und Luzerne deutlich höher — dort können einzelne Übergänge zur falschen Zeit 10 Prozent und mehr kosten.
Die Faustregel lautet deshalb: so oft wenden wie nötig, so selten wie möglich.
Zetten, Wenden, Schwaden
Zetten heißt, das Mähgut direkt nach dem Schnitt breit über die Fläche zu verteilen. Ziel ist maximale Oberfläche zur Sonne. Je gleichmäßiger die Schicht, desto gleichmäßiger die Trocknung — ungleiche Schichten führen dazu, dass Teile schon bröseln, während andere noch feucht sind.
Wenden dreht die Schicht, damit das untere, feuchte Material nach oben kommt. Ein- bis zweimal täglich ist üblich. Der erste Wendegang kann bereits wenige Stunden nach der Mahd erfolgen, solange das Material noch feucht und elastisch ist.
Schwaden legt das Heu vor dem Pressen zu Reihen zusammen. Das ist der letzte und heikelste Arbeitsgang, weil das Material dann am trockensten ist.
Die Tageszeit ist entscheidend
Hier liegt der wirksamste Hebel gegen Bröckelverluste, und er kostet nichts.
Wenden bei Restfeuchte. Am frühen Morgen ist das Material durch Tau leicht angefeuchtet und dadurch elastisch. Blätter biegen sich, statt zu brechen. Wer am Nachmittag bei voller Trockenheit wendet, verliert ein Vielfaches.
Schwaden am Morgen. Aus demselben Grund wird kurz vor dem Pressen am besten in den Morgenstunden geschwadet — genug Restfeuchte für Elastizität, aber nicht so viel, dass sie in den Ballen gerät.
Pressen am Nachmittag. Dann ist der Schwad durchgetrocknet und die Restfeuchte liegt sicher unter 15 Prozent.
Dieses Muster — morgens schwaden, nachmittags pressen — ist der Grund, warum Heuernte über den Tag verteilt in Schüben läuft und nicht durchgehend.
Technik und Einstellung
Kreiselzettwender verteilen breit und arbeiten schnell. Entscheidend ist die Zinkenhöhe: Zu tief eingestellt kratzen die Zinken Erde ins Futter, und Erde bedeutet Keime, Asche und im schlimmsten Fall Clostridien.
Kreiselschwader legen die Reihen zusammen. Auch hier gilt die Höheneinstellung — der Rohaschegehalt einer Heuprobe verrät im Labor recht zuverlässig, wie sauber gearbeitet wurde. Werte über 10 Prozent deuten auf Erdeintrag hin.
Auf Hanglagen kommt erschwerend hinzu, dass die Geräte quer zur Falllinie arbeiten müssen. Das begrenzt Arbeitsbreite und Tempo und ist einer der Gründe, warum Hangheu aufwendiger ist als Talheu.
Wie viele Arbeitsgänge sind normal
Bei stabilem Wetter kommt ein erster Schnitt mit einmal Zetten und zwei- bis dreimal Wenden aus, plus einem Schwadgang. Das sind vier bis fünf Überfahrten in drei bis vier Tagen.
Wird häufiger gefahren, steckt meist unsicheres Wetter dahinter — jeder zusätzliche Gang soll die Trocknung beschleunigen, kostet aber Blattmasse. In nassen Jahren sind sieben oder acht Überfahrten keine Seltenheit, und man sieht es dem Heu an: mehr Stängel, weniger Blatt, blassere Farbe.
Was das im Ballen sichtbar macht
Gut geworbenes Heu ist grün bis graugrün, blattreich und riecht aromatisch. Ein Ballen, der beim Öffnen überwiegend aus Stängeln besteht und stark bröselt, wurde zu oft oder zur falschen Zeit bearbeitet.
Wie sich das auf Nährwerte auswirkt, lesen Sie unter Heuernte; zur Trocknung siehe Heu trocknen.
Rohasche, Rohfaser und Energie jeder Charge stehen im Halmpass.